Bund der Baumpaten e.V. Dienstag, 19. September 2017 | Kontakt

Baumfreunde sind kreativ

Mensch und Baum

Alt zu werden wie ein Baum . . . ,
wer will das von uns Menschen nicht.
Doch was begründet diesen Menschentraum,
baumstark zu sein in Raum und Licht?

Was symbolisiert uns wirklich der Vergleich,
der schon viel älter als wir alle ist?
Er zeigt Standhaftigkeit im Lebensbereich,
den man nach Schaffenskraft und Leistung misst.

Was tun wir eigentlich dem Baume gleich,
der seine Leistung Tag und Nacht erbringt?
Sein Beitrag macht doch unser Leben reich,
der unsren Dank als Gegenleistungen bedingt.

Ob Regen, Wasser, Klimaschutz und Wind,
für alles sorgt er mit in unsrer Welt.
Als Rohstoff oder Baumhaus für ein Kind,
gehört er dringend unter Pflegeschutz gestellt.

Ihn pflegen, schützen heißt das große Ziel,
wie es dann weitergeht wird er uns später zeigen.
Wenn wir nicht achtsam sind, verlieren wir das Spiel
und es beginnt für uns die Zeit der Leiden.

Wer jetzt erkennt den Nutzen und des Baumes Macht,
ist auf dem Weg der Achtung und des Wiedergebens.
Er überdenkt vielleicht den Sinn der Patenschaft
als Sieg von Baum und Mensch zum Überleben.

Herbert Kalbus, Berlin-Lichtenberg



"Mein Lieblingsbaum"
von Lisa Steinborn (9 Jahre)

"Ich fühle..."
von Martin Lorbeer (12 Jahre)

Flurgarderobe "Apfelbaum aus Stahl"
Idee und Gestaltung: Reiner Eckert, Königs Wusterhausen



Naturdenkmal Stieleiche
(am "Haus der Naturpflege" in Bad Freienwalde)

In unserm Garten steht ein mächt'ger Eichenbaum,
so stark und schön - als Wächter an des Tales Rand,
wohl hundertfünfzig Jahre alt - man glaubt es kaum.
Er wuchs empor auf blankem Kies und Sand.

Schon viele Jahre sind wir gute Freunde - er und ich,
und manches kluge Wort hab´' ich durch ihn vernommen.
So sprach er einst zu mir: "Wie freut es mich,
was du für mich getan - ich bin dir wohlgesonnen.

Zuerst erkanntest du, dass Nachbarbäume mich beengen.
Ich aber brauche Luft und Licht - sie mussten raus.
Dann bat ich dich, bring Wasser, wenn die Sonnenstrahlen sengen
und streue gute Erde auf meine Wurzeln aus.

Nun siehst du, wie ich meine Krone immer weiter dehne
und vielen Menschen kühlen Schatten spende,
wenn sie die neue Rundbank mit der Lehne
benutzen." - Und damit ist der Reim zu Ende.

Kurt Kretschmann


Brief an (m)eine Birke

Liebe Birke,

wenn ein JahreBuch den Bäumen im Dahmeland gewidmet ist, möge auch von Dir die Rede sein, Du meine Auserwählte unter allen Bäumen des Dahmelandes. Seltsam, erst im letzten meiner Prieroser Jahre warst Du mir aufgefallen. Vordem hatte ich Dir kaum Beachtung geschenkt, obwohl Du all die Jahre an der Arnold-Breithor-Straße standest. Du gingst durch die Jahreszeiten, ohne Dich vom Fleck zu rühren. Scheinbar blind war ich oft an Dir vorbei gelaufen, ohne Dich wahrzunehmen. Doch kaum war ich auf Dich aufmerksam geworden, wurdest Du mir bald zur treuen Wegbegleiterin in meiner Zeit des Aufbruchs und des Abschieds.

Wann ich immer mochte, konnte ich zu Dir kommen. Ein Blick aus dem Fenster genügte.

Stets empfingst Du mich mit offenen Armen. Ich fühlte mich von Dir angenommen, so wie ich war. Mit all meinen Stärken und mit all meinen Schwächen. In stummer Zwiesprache nahm ich oftmals Zuflucht zu Dir. Dir mochte ich mein Herz ausschütten und erzählen, was mir damals meinen Mitmenschen anzuvertrauen noch unmöglich schien. Alles konnte ich mir bei Dir von der Seele reden. Zweifel, Unsicherheit und Ängste, offene Fragen, Freude, Hoffnung und Glück, Kummer und Schmerz, Mutlosigkeit und Mut, Träume, Wünsche und Pläne. Ruhig und vertrauensvoll hörtest Du mir zu. Du schwiegst zu allem, was ich Dir sagte, doch Dein Schweigen war beredt. Vielleicht war es Dein tiefes, wertungsfreies Zuhören, das es mir ermöglichte, zu neuen Einsichten und neuen Sichtweisen zu kommen. Du halfst mir, Antworten auf die Fragen zu finden, die mich bewegten und manchmal sogar quälten. Deine jugendlich-heitere Ausstrahlung munterte mich auf, wenn ich mal trüben Gedanken nachhing. Und Du gabst mir Unterstützung, herbe Enttäuschungen ebenso zu verarbeiten wie den Überschwang der Freude.

Wenn ein heftiger Wind Deine Zweige zauste, sah ich, dass Du fest und biegsam zugleich warst und dass darin Deine Stärke lag. Ich spürte bei Deinem Anblick, dass all meine Hartnäckigkeit und Sprödigkeit in Wirklichkeit nur Schwäche war. Dein Beispiel ließ mich Mut schöpfen für den nächsten Schritt ins Unbekannte, wieder und wieder. Sobald ich Dich aufmerksam betrachtete, mich ganz auf Dich konzentrierte, dann war ich in der Lage, das Tempo der wild durch meinen Kopf schießenden Gedanken zu drosseln. Du halfst mir, von Oberflächlichkeiten weg zu kommen und mehr in die Tiefe zu leben. Du lehrtest mich, still und leer zu werden, um auf die innere Stimme zu lauschen, die so wunderbar weiß, was gut für mich ist.

Liebe Birke, wie viel Dienst hast Du mir erwiesen! Nie fragtest Du nach Lohn. Nie hatte ich das Gefühl, Dir etwas schuldig zu sein. Aber es ist an der Zeit, dass ich Dir danke sage. In Gedanken sehe ich Dich vor mir stehen mit Deiner lichten Krone und den überhängenden Zweigen. Du bist und bleibst mir im Herzen nah, baumige Freundin. Ich wünsche Dir, dass Du allzeit gut gedeihen mögest.

Dr. Gabriele Pircher


"Ich habe einen kleinen Baum gepflanzt"
Magdalena Geppert (3 Jahre)


Foto: Franziska Dinter

Als Kind in einem Baum zu sitzen heißt, über den Dingen zu sein. Gesegnet ist das, was uns herausholt aus der Enge unserer Weltsicht. Ich wünsche Dir, dass du Wind und Wetter standhältst wie dieser alte Baum und wie er seine eigene Schönheit und Dein unverwechselbares Profil erhältst.



"Alte Eiche im Morgenlicht"
Martin Lorbeer, Berlin


Die Dorflinde zu Criewen

Auch ich war einmal jung
vor fast 300 Jahren.
Ich habe so manchen Schwung
und auch viel Leid erfahren.
Ich hab voll Übermut im Wind mich schaukeln lassen
und fand es immer gut,
wenn Kinder mich umhaschen.
Man hat das Dorf um mich hier weggerissen,
das Gotteshaus nur blieb mir noch vertraut.
Und hinter mir hat man dann ganz beflissen
ein Schloss mit Gutsanlage hingebaut.

So sind Jahrzehnte, nein Jahrhunderte vergangen.
Ich wuchs heran, hab manchen Sturm erlebt
und wo oft Kinder fröhlich mich umsprangen,
hat all zu oft die Erde auch gebebt.
Ich sah Napoleons Truppen ostwärts ziehen;
die braunen Zeiten haben mich gestreift.
Gott lob, ist's länger nicht gediehen,
friedliche Zeiten sind herangereift.
Das Oderwasser kam ganz nah gelaufen
an meinen Stamm, das Wurzelwerk war nass.
Für Euch ihr Menschen gab es kein Verschnaufen
ein stetes Handeln ohne Unterlass.

Der Wind zaust häufig mal in meinen Zweigen;
so mancher Vogel baut in mir sein Nest.
Die Zweige müde sich zur Erde neigen,
doch in der Erde sind die Wurzeln fest.
Mein Stamm mag knorrig und sehr rauh erscheinen,
er bietet manchem Käfer Unterkunft.
Ich hört vor Kummer Euch und Freude weinen
und heute spür~ich ? Es herrscht die Vernunft!
So schmück ich Jahr für Jahr die grüne Krone;
den Bienen schenke ich den Honigtau.
Und wer mich mag, kann gerne bei mir wohnen.
Ich bin auch zärtlich, das weiß ich genau.

So hat in all den vielen Jahren
so mancher Mensch sich bei mir ausgeweint.
Ich weiß nicht mehr, was all die Gründe waren,
doch manches Paar war liebevoll vereint.
So freut es mich und ich kann es kaum fassen,
dass mir ein Pate jetzt zur Seite steht.
Ich werde mich von ihm verwöhnen lassen;
für Zärtlichkeiten ist es nie zu spät.

Aus Anlass der Übernahme der Baumpatenschaft
durch den Minister für Landwirtschaft,
Umweltschutz und Raumordnung des Landes Brandenburg,
Wolfgang Birthler am 18.05.2002

geschrieben von Rudolf Grimm



"Unsere Eiche"

Naturbildgestaltung

"Unser Freund der Baum"

"Märchenkiefer" in Storkow,
Foto: Hannes Lorbeer

"Friedenseiche in Storkow",
Foto: Klaus Zenker


Der Bergahorn am Kloster Chorin
Diesem Baum schaut jeder nach
mit seinem grünen Blätterdach.
So manchen Mai hat er gesehn,
wird viele Jahre wohl schon stehn.
Zuerst sah man zwei Blättchen kaum,
doch nun ist's ein prachtvoller Baum.

Manch starken Sturm hat er erlebt,
bei Blitz und Donner oft gebebt.
Der Regen wusch ihm zart die Blätter,
die Sonne wärmt bei schönem Wetter.
Und kam die kalte Winterszeit,
war'n seine Äste weiß verschneit.

So hat er manches durchgemacht,
im hölzernen Herzen geweint und gelacht.
Wohnstatt gab er vielen Wesen,
Maus, Vogel, Eichhorn zahlten nie Spesen.
Und flogen Falter elegant vorbei,
dann wusste der Baum: Nun ist es Mai!

Doch bringt der Mai auch Menschen Freude.
Geburtstag hat die Gudrun heute.
Auch sie wird nun schon 61 Jahr'.
Wir bringen liebe Wünsche dar.
Denkst an dein Leben du zurück,
war's wie beim Baum, ging Stück für Stück.

Und alles hatte seinen Sinn,
,s ging rauf und runter, her und hin.
Dein Leben soll noch lange dauern.
Sing froh ein Lied, vergiss das Trauern.
Sei wie der Baum und denk daran:
Neu fängt das Leben täglich an!

Mit vielen lieben Grüßen
von Hans und Ilse Kruschke

Zeesen, am 28.Mai 2002



"Ich habe im Wald viele Hirsche gesehen" (m.H.)
Jonathan Roggenbuck, 2 1/2 Jahre


"Unser Apfelbaum"
Alexandra Sacharowa, 8 Jahre, Kasachstan

"Kastanienbaum"
Maja Dietrich, 12 Jahre

Baumpaten haben ein Herz für Bäume

Bevor der Mensch auf die Welt kam, das liegt noch nicht weit zurück,
da gab es schon die Bäume - für ihn ein großes Glück.
Damit konnte er Hütten bau' n, nichts hinderte ihn daran.
Die Gelegenheit war günstig, es bot sich ihm an.

Dann wurde erfunden, wie man Feuer macht.
Nun gab es Licht im Dunkeln und Wärme in der Nacht.
Aber nur mit den Bäumen, das ist leicht zu verstehen,
konnte dieser, so entscheidende Fortschritt entstehen.

Die Entwicklung lief weiter. Der Handel mit Bäumen begann.
Holz wurde zum wichtigsten Rohstoff. So fing es an.
Kohle und Erdöl waren noch nicht bekannt.
Spenden wir den Bäumen Lob und Dank.

Wohin hat das in unserer Zeit geführt?
Was wird heute alles aus Bäumen produziert?
Darüber hinaus sind sie für unsere Gesundheit von größtem Wert.
Sie reinigen die Luft, so werden wir jetzt belehrt.

Außerdem, die Naturschützer wussten es schon:
Bäume verhindern am besten die Bodenerosion.
Ihr Nutzen - das erfüllt uns mit Stolz,
übersteigt bei weitem die Ernte an Holz.

Diese Erkenntnis erfasste auch Reinhard und Gudrun Kalbus.
Man sollte mehr für Bäume tun - so ihr Entschluss.
Seit 4 Jahren bieten sie Baumpatenschaften an.
Wer Pate wird, denkt später noch oft daran.

Dafür wird ein Fest auf hohem Niveau organisiert.
Immer unter einem herrlichen Baum. Jeder Teilnehmer spürt:
Was da abläuft, zu Ehren der Natur, ist sinnvoll und gut.
Es ist ein besonderer Dank für Bäume, was man da tut.

Dabei schenkt Gudrun Kalbus ein selbstgemaltes Bild vom Baum -
dem Paten. Er wird es später noch oft anschaun,
zur Erinnerung an diesen erlebnisreichen Tag.
Ist es nicht ein Wunder, was ein Baum alles vermag?

Wir sollten es "Nicht vergessen!" so die Überschrift für dieses Gedicht.
Die Bäume lieben und beschützen ist unsere Pflicht.
Erst, wenn wir das als selbstverständlich ansehn,
werden wir besser, als jetzt üblich, mit den Bäumen umgehn.

Baumpate Kurt Kretschmann, 89 J.
Bad Freienwalde, Juli 2003


"Bäume im Herbst"
Jürgen Bossin


"Es ist gut seinen Kopf in den Wolken zu haben und seine Gedanken zwischen den, Adlern wohnen zu lassen aber man muss auch daran denken, dass je höher der Baum in den Himmel hinein wächst, desto tiefer seine Wurzeln in das Herz von Mutter Erde hineindringen müssen."

(Spruchweisheit der Crow - Indianer)


Meine Walnussbäume
Mit einem Walnussbaum verbinden mich viele Kindheits-Erinnerungen. Es war ein solches Gehölz auf dem Hof meiner Eltern im Sudetenland, unter dem ich viele schöne Stunden verbrachte. Noch heute kann ich mich an die Märchen erinnern, die uns, meinem Bruder Franz, meiner Cousine Christl und mir, im Schatten dieses Baumes von unserer Großmutter erzählt wurden. Sie hat bei solchen Gelegenheiten auch viel über die Tiere und Pflanzen unseres Elbetales berichtet. Wir sind dann, auf diese Weise geprägt, später alle drei Naturfreunde geworden.

Leider ist dieser alte Nussbaum wie auch mein Vaterhaus in meiner alten Heimat, aus der wir von fast 60 Jahren vertrieben wurden, inzwischen nicht mehr vorhanden.

Auch an Eisenhüttenstadt an der Oder, wo ich in der Folgezeit 45 Jahre wohnte, verbinden mich viele schöne Erinnerungen mit einem Walnussbaum. Im Schatten dieses großen Baumes verbrachte ich mit meiner Freundin Edith Kutzner viele interessante Stunden im Gespräch.

Edith schenkte mir eines Tages zwei winzige Nussbäumchen, die ich bei meinen Kindern im Hof sowie auf der Streuobstwiese des Forsthauses am Frauensee einpflanzte. Kurz vor ihrem Tode sagte sie mir dazu: "Damit Du eine Erinnerung an mich hast, wenn Du mal von Eisenhüttenstadt wegziehen wirst".

Die beiden Bäumchen haben nun schon eine richtige Krone und sind inzwischen um 7 Meter hoch gewachsen. Im vorigen Jahr haben sie - nach 10 Jahren - die ersten 4 Nüsse gebracht, worüber ich mich riesig freute.

Wenn es im Sommer manchmal sehr heiß und trocken war, bekamen sie auch immer etwas Wasser von mir.

Im Jahre 2003 hat ein weiterer Lebensabschnitt für mich begonnen; ich habe eine neue Heimat in der Senioren Wohnanlage des Arbeiter-Samariterbundes in Neue Mühle bei Königs Wusterhausen gefunden. Als ich die Betreiber fragte, ob ich auch hier wieder einen Walnussbaum pflanzen dürfte, waren sie sofort einverstanden, bereiteten mir sogar den Pflanzort vor und legten einen Pfahl bereit.

Im März 2004 war es dann soweit: Werner Dronsz, ein Kollege meines Sohnes schenkte mir ein prächtiges drei Meter großes Exemplar, und mein Sohn Klaus, mein Enkel Jörg und ich pflanzten den Baum in Sichtweite meines Schlafzimmerfensters ein.

Diesen Tag im Vorfrühling werde ich wohl auch deshalb in Erinnerung behalten, weil mich an jenem Nachmittag eine Gruppe Filmleute des rbb (Radio Berlin-Brandenburg) besuchte, um für die Sendung "Brisant" einen Beitrag über die "Oma im Netz" zu drehen. Sie filmten auch die Pflanzung, und so werde ich dann neben den Fotos, die gemacht wurden, sogar ein Video zur Erinnerung haben.

In dem Moment, an dem ich meinen neuen Nussbaum in die Erde setzte, war ich mit meinen Gedanken auch bei unserem alten Baum im Elbtal sowie bei den anderen Walnuss-Gehölzen, unter denen ich schöne Stunden verbringen konnte und die mich alle ein Stück meines Lebens begleiteten.

Nun hoffe ich, dass uns, meinem neuen Nussbaum und mir sowie meiner Familie und meinen Freunden, noch viele gemeinsame friedvolle und glückliche Jahre bevorstehen.

Lydia Radestock, im März 2004



"Apfelbaum"
Zosia Zawila, 6 Jahre aus Warschau


Mithalten und Innehalten
Öffentlichkeitsarbeit für den Naturschutz im täglichen Spannungsfeld

Mithalten?
"Die letzten Wunder dieser Erde", ist der Titel einer dieser neuen Serien im Fernsehen. Sommerschlussverkauf für die Natur- schnell Fernseher an, das muss man noch mitgenommen haben, bevor es zu spät ist!
Ich habe diesen Film gesehen. Es war anstrengend. Ununterbrochen Großartigkeiten. Beeindruckende Kulissen dank bewundernswerter technischer Raffinessen - eine ganze Stunde phantastischer Formen und Farben der Natur. Gleich nach dem Film schalte ich um zu Pfarrer Fliege, sie wissen schon, der mit dem direkten Draht zu Gott. Nur wenige Minuten Sendezeit: Große Gefühle, umwerfende Ereignisse im Zeitraffer, Zeit ist Geld und wohl nur deshalb hilft Gott so schnell! "Ein Durchschnittsbürger" bekommt kaum Aufmerksamkeit und Neugierde. Interessant ist der "Andersartige", der "Außenseiter", der "Exot". Winterschlussverkauf für die Seele, passen sie gut auf sich auf.

Seit dem Fernsehabend sind einige Tage vergangen.
Ich versuche mir Landschaften und Ereignisse ins Gedächtnis zu holen. Dabei stelle ich fest, dass es Schwierigkeiten gibt in Bezug auf meine visuelle und auch emotionale Erinnerung.
Ist mein Gedächtnis so schlecht?
Machen massive Stimuli tatsächlich stumm und taub?
Wo ist dieses Gefühl einer "inneren Bewegung"?
Die Wirkung der spektakulären Bilder und Geschehnisse ist ähnlich der von Menschen die beeindrucken, die es verstehen sich ins Licht zu setzen, aber sie treten oft schnell wieder ab und kein Glanz bleibt zurück. Oder, sie sind, wenn sie Elend zeigen, so schwer verdaulich, dass man sie verdrängt.

Innehalten!
Wenn ich Kraft schöpfen will, male ich mir Gedanken- und Phantasiebilder.
Sie bewegen!
Woher das kommt?
Es ist rätselhaft und still, wenn so ein Wortgespinst entsteht. Ich wandere mit dem Stift übers leere Blatt und muss mir Zeit lassen, immer wieder schauen - vergleichen - spielen - verwerfen - neu gestalten. Keiner fordert mich auf sofort zu reagieren. Ich kann in so ein Wörterbild hineingehen und mich ausruhen. Jedes Gefühl darf sein, ich kann es zulassen ohne es zu benennen. Es sind gerade die heimischen Landschaften, die mich in so einen verzauberten Zustand bringen: Da betrachtest du ein Stück Erde und wirst mit ihm vertraut. Es zieht dich in seinen Bann, du weißt oft selbst nicht warum. Vielleicht ist es das Licht, vielleicht der Wind, den du spürst, vielleicht die Erde die du riechst. Für eine Weile lässt du alles hinter dir, bist ganz in der Gegenwart und schaust über die Mauer in einen Garten den du fast vergessen hattest.

Traumlandschaften

Wie malt man Nebel?
Ich male Bäume und lasse Wasser darüber fließen,
verwische alles wieder.
Auweija, jetzt ist alles kaputt!
Kaputt oder etwas neues?

Rätselhafte Aufgabe:
Einen Leuchter soll ich finden,
der ohne Licht leuchten kann!
Was ist damit nur gemeint?
Vielleicht ein Baum im Herbst?

Hoffnungslos.
Wie kann so ein Wort entstehen?
Wenn du immer wieder erlebst,
wie ein Sonnenstrahl dunkle Wolken durchbricht...


Andrea Mack
Sa. Presse/ Öffentlichkeitsarbeit im Naturpark Dahme-Heideseen


"Miethsluch"
Andrea Mack


Waldbegegnung
(gewidmet Gudrun und Reinhard Kalbus)

Ein wenig müde und verloren sah ich einen großen Wald
Er wirkte stolz, ja majestätisch und mächtig auf mich ein
Ich setzte mich an einen Baum und spürte bald
Ein schöner Platz, mit Ruhe, Sonne und für mich allein.

Ich sah die stolzen Baumwipfel sich im Winde wiegen
Ein Eichelhäher krächzte und ein Kuckuck rief.
Ein Specht hämmerte, man sah, wie Späne nur so fliegen
Diese Idylle erfasste mich so sehr, dass ich auf einmal schlief.

Als ich erwachte, ächzten die Bäume laut im starken Wind
Und mein Traum war schön, doch leider aus.
Ich fühlte mich erholt und munter wie ein Kind
Und dachte nur "Hier bleibst du noch, gehst nicht nach Haus!"

Aufgestanden, dankte ich ehrfurchtsvoll meinem Ruhebaum
Er war schon alt, voller geschriebener Liebesschwüre, er hatte viel gesehen.
Sogar als Fremder konnte ich ihm im Schlaf vertrauen
Ein stolzes Glücksgefühl, ein Erlebnis einfach wunderschön.

Als ich nach Hause ging, da war mir klar,
Dass eigentlich alle Bäume des Menschen Freunde sind.
Sie bestimmen weitgehend unsern Sauerstoffgehalt, den kompletten Öko-Etat,
Und wer das nicht weiß, ist wenig klug und blind.

Der Baum war stets unser aller Hoffnungsträger,
wenn wir ihm helfen, erhalten und auf seine Zeichen achten.
Sind und bleiben wir jedoch nur Erlebnis- und Nutzungsjäger,
wird er uns irgendwann abstrafen und entmachten.

Hör ich jedoch heute das Rauschen der Bäume im Wind,
vernehme ich leise ein Lied, wie eine heimliche Melodie.
Und im Texte deute ich, dass Baum und Mensch noch Freunde sind
Und ich glaube daran und hoffe, dass es stimmt - irgendwie.

Herbert Kalbus

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